Mittwoch, 26. September 2007
Dienstag, 25. September 2007
Pont du Gard
http://de.wikipedia.org/wiki/Pont_du_Gard
Lange Zeit glaubte man, die Aquäduktbrücke sei um das Jahr 19 vor Christus erbaut worden. Neuere Ausgrabungen deuten allerdings auf eine Entstehung in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. hin. Die Brücke wurde gebaut, um das Tal des Flusses Gardon (der in römischer Zeit Vardo fluvius hieß) zu überwinden. Etwa 20.000 Kubikmeter Wasser flossen nach der Fertigstellung täglich über den Aquädukt nach Nîmes. Der größte Teil der Wasserleitung (etwa zwei Drittel) verlief indes nicht überirdisch, sondern musste in den Fels gehauen werden. Nemausus hatte zu der Zeit etwa 20.000 Einwohner, der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf lag damit bei rund einem Kubikmeter pro Tag. Das ist ein Vielfaches des heutigen Wasserverbrauchs eines Durchschnittseuropäers.
Das gesamte Aquädukt besaß ein durchschnittliches Gefälle von 24 cm/km. Auf welche Weise die damaligen Baumeister eine derart exakte Berechnung angestellt haben, ist bis heute ungeklärt. Denn die Wasserleitung nach Nîmes hat insgesamt einen alles andere als geradlinigen Verlauf. Die Luftlinie zwischen Quelle und Ziel beträgt zwar nur 20 km, aber dazwischen befinden sich diverse Gebirgsformationen. Man musste daher große Umwege in Kauf nehmen und kam so auf eine Gesamtlänge von 50 km. Trotzdem ist das Gesamtgefälle auf diesen 50 km nicht höher als 12 Meter, und das, obwohl man beim Bau auch noch auf die besonderen baulichen Erfordernisse der einzelnen Teilstrecken Rücksicht nehmen musste.
Vor und in Kurven musste beispielsweise die Fließgeschwindigkeit durch Verminderung des Gefälles gesenkt werden, um die auf die kurvenäußeren Wände des Aquädukts wirkenden Kräfte möglichst gering zu halten und so aufwendige Sicherungsmaßnahmen zu vermeiden. Vor dem Pont du Gard hat man das Gefälle dagegen erhöht, um die Brücke, die den teuersten Teil des gesamten Aquäduktes ausmachte, nicht all zu hoch bauen zu müssen. Dafür wurde nach der Brücke das Gefälle auf bis zu 8 cm/km gesenkt, was auch sofort zu Problemen führte: Es ist nachgewiesen, dass der Aquädukt direkt nach Inbetriebnahme noch einmal außer Betrieb genommen und am Pont du Gard und seinem anschließenden Verlauf durch die Wälder von Remoulins erhöht werden musste. Diese Aufstockung kann man heute noch an der Oberkante des Pont du Gard erkennen.
Seit dem 4. Jahrhundert wurde die Pflege der Wasserleitung zusehends vernachlässigt, Ablagerungen füllten bis zu zwei Drittel des Wasserkanals. Im Laufe des 9. Jahrhunderts wurde der Aquädukt vollends unbrauchbar und die Menschen der Umgebung begannen, die Steine der Wasserleitung abzutragen und für andere Zwecke zu nutzen.
Bereits in mittelalterlicher Zeit und bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde der Pont du Gard als Straßenbrücke genutzt. Dazu wurden sogar die Pfeiler der zweiten Etage verjüngt, um den Verkehrsfluss zu erleichtern. 1702 wurden die Pfeiler instandgesetzt. Damit der Verkehr den Fluss überqueren konnte, ohne den römischen Bau weiter zu beanspruchen, entstand 1747 neben dem Aquädukt eine neue Straßenbrücke, die in Höhe der unteren Ebene des Aquädukts verläuft.
Die Straßenbrücke wurde mittlerweile für den Autoverkehr gesperrt. In der Nähe des Pont du Gard sind ein Museum, ein Besucherzentrum und Parkplätze eingerichtet.
Die Aquäduktbrücke Pont du Gard wurde 1985 in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen.
